Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Rufen und Gesängen. Vogelrufe sind kurz und klar. Im Gegensatz zum Gesang sind sie das ganze Jahr über zu hören. Mit den Rufen „sprechen“ die Vögel miteinander und sie haben immer einen konkreten Anlass. So warnen Kohlmeisen ihre Artgenossen mit einem Alarmruf, wenn sich ein Greifvogel nähert. Selbst Säugetiere achten auf Alarmrufe der Vögel: Manch ein Reh hat der Eichelhäher mit seinem Krächzen vor dem herumstreifenden Jäger gewarnt. Neben dem Alarmruf gibt es noch den Flugruf zum Zusammenhalt des Schwarmes und den Bettelruf der Jungvögel. Im Frühling „flirten“ die Vogelpärchen mit dem Lockruf.
Im Gegensatz zum kurzen, eintönigen Ruf ist der Gesang eine lange, wohlklingende Melodie, die aus einzelnen Strophen besteht. Er dient im Wesentlichen dazu, ein Weibchen anzulocken oder ein Revier abzugrenzen. Vogelgesang stammt fast immer von Männchen, lediglich bei den Rotkehlchen singen auch die Weibchen. Die Vögel suchen sich beim Singen einen günstigen Singplatz, eine so genannte Singwarte. Amseln wählen gerne Dachgiebel oder Baumkronen, die Mönchsgrasmücke oder der Zaunkönig wählt lieber ein Gebüsch. Vögel singen vor allem während der Paarungs- und Brutzeit vom zeitigen Frühjahr bis zum Sommer. Eine Ausnahme stellen Rotkehlchen und Zaunkönig dar: Sie schmettern auch in der kalten Jahreszeit ihre Lieder.