Obwohl nahezu alle Vögel bis zu einem gewissen Grad wandern, begeben sich doch nur etwa die Hälfte unserer 240 Brutvogelarten auf einen wirklichen Vogelzug. Bei echten Zugvögeln sind Brut- und Winterquartier vollständig getrennt. Einige überwinden dabei große Strecken und Hindernisse.
Die Kurzstreckenzieher unter den Zugvögeln wie beispielsweise Zilpzalp, Singdrossel oder Feldlerche wandern aus Nord- und Mitteleuropa meist bis Südeuropa oder Nordafrika. Die Überwinterungsquartiere der Langstreckenzieher wie Fitis, Trauerschnäpper oder Teichrohrsänger liegen dagegen immer südlich des Äquators. Je weiter die Wanderung eines Vogels ist, desto stärker ist er von inneren Faktoren bestimmt. Beispielsweise werden der Zeitpunkt des Zugbeginns, die Zugfettanlagerung und die Mauser von einem inneren Zeitprogramm gesteuert, d.h. dieses Programm ist fest in den Genen des Vogels festgeschrieben.
Bei Teilziehern wandert ein bestimmter Teil der Population, während der andere im Brutgebiet bleibt. Bekanntestes Beispiel hierfür ist der nordeuropäische Buchfink: Bei ihm ziehen die Weibchen im Herbst in den Süden und die Männchen verteidigen unterdessen ihre angestammten Brutreviere. Der Begriff Strichvögel wird für Vögel verwendet, die saisonal über kurze Strecken wandern ohne dabei eine bestimmte Vorzugsrichtung zu haben. Standvögel schließlich bleiben das ganze Jahr über an ihrem Brutort.
Oft zeigt ein und die selbe Art in verschiedenen Gegenden alle Varianten. Vögel können in Nordeuropa Zugvögel in Mitteleuropa Teilzieher und in Südeuropa Standvögel sein. Je nachdem über welchen Zeitraum Vögel einer Art im Gebiet anwesend sind, wird nach Jahresvögel, Sommervögel, Wintergäste und Durchzügler unterschieden.